Advent kommt aus dem lateinischen und bedeutet Ankunft. Welche Ankunft? Es ist eine Zeit des Wartens. Worauf warten wir? Was hat Advent mit Weihnachten zu tun? Was ist überhaupt Weihnachten?

Wenn ich mich mit der Frage nach dem Advent beschäftige, merke ich, dass ich dabei auf immer neue Fragen stoße. Um die Adventszeit vielleicht dieses Jahr ein wenig besser zu nutzen und zu verstehen, will ich mich diesen Fragen stellen. Letztendlich werde ich auch dieses Mal mit dem Verstand nicht alles verstehen können. Denn viele meiner Fragen sind eigentlich Glaubensfragen.

Vielleicht fangen wir mal hinten an, um der Lösung des Rätsels „Advent“ näher zu kommen.

Was ist Weihnachten?

An Weihnachten feiern wir Christen die Geburt des göttlichen Kindes. Gott hat seinen eigenen Sohn in die Welt geschickt, damit er die Welt und die Menschen heilt und sie mit Gott versöhnt. Schon mehrfach haben wir gehört, dass mit dem Sündenfall (Ungehorsam und Abfall von Gott) der Mensch dem Tod preisgegeben wurde. Und das gilt auch heute noch für uns: Wir müssen alle einmal sterben!

Was hat sich für uns durch Jesus verändert?

Jesus hat den Tod durch seine Auferstehung überwunden und besiegt, wie wir Christen im Glaubensbekenntnis bekennen:
„… Ich glaube an Jesus Christus, Seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinab gestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel …“
Ja, Jesus hat den Tod besiegt! Und ER hat uns wieder mit Gott versöhnt. ER hat eine Brücke zwichen Gott und den Menschen gebaut. Gott will unser Vater sein! Eigentlich hat Gott uns nie verlassen, auch wenn wir eigene Wege gehen und uns von IHM entfernen. Deshalb sandte ER seinen Sohn, um uns das zu sagen. Auch mir fällt es sehr schwer, Gottes Liebesangebot wirklich zu begreifen. In Jesus hat Gott sich erniedrigt und auf eine Stufe mit uns Menschen gestellt. Unglaublich, oder??

Deshalb feiern wir an Weihnachten den Geburtstag Jesu – wahrer Mensch und wahrer Gott!

Wie glaubhaft ist die Geburt Jesu?

Der Evangelist Lukas schreibt am Anfang (Lk 1, 1-5): “ Schon viele haben es unternommen, eine Erzählung über die Ereignisse abzufassen, die sich unter uns erfüllt haben. Dabei hielten sie sich an die Überlieferung derer, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren. Nun habe auch ich mich entschlossen, nachdem ich allem von Beginn an sorgfältig nachgegangen bin, (…) es der Reihe nach aufzuschreiben.“ Und in Lk 2, 1-2 heißt es zur Geburt Jesu: „Es geschah aber in jenen Tagen, dass Kaiser Augustus den Befehl erließ, den ganzen Erdkreis in Steuerlisten einzutragen. Diese Aufzeichnung war die erste; damals war Quirinius Statthalter von Syrien.“ Bei Matthäus 2, 1 steht geschrieben: „Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, ….“

Aufgrund der Hinweise auf Kaiser Augustus, König Herodes und Statthalter Quirinius handelt es sich bei der Geburt Jesu relativ sicher um ein historisches Ereignis. Viele haben sich mit diesen geschichtlichen Personen auseinandergesetzt und man hat versucht, darüber die Geburt Jesu zeitlich einzugrenzen. Die Geburt Jesu dürfte ca. 7 – 4 v. Chr. stattgefunden haben, der tatsächliche Geburtstag (24. bzw. 25.12.) scheint eher unwahrscheinlich und wurde vermutlich irgendwann auf den Tag der Wintersonnwende, ein heidnisches Fest, gelegt.

Jesus hat die Menschen damals fasziniert

Da die Evangelien in der 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts (zw. 70 und 100 n.Chr.) entstanden sind, dürften die Schreiber noch einige Zeitzeugen Jesus gekannt haben. Die Evangelien sind im Vergleich zu anderen Religionsschriften relativ zeitnah nach dem Tod Jesu (ca. 30 n.Chr.) verfasst worden. Es bestand wohl ein außerordentlich tiefes Bedürfnis, das Leben Jesus für die Nachwelt wahrheitsgetreu erhalten zu wollen. Man wollte keine Verfälschungen, die sich durch Weitererzählen ergeben, obwohl das zu dieser Zeit eher üblich war. Die Schreiber wollten so eine Wahrheit festhalten, die nicht irgendwann zu den Märchen gezählt werden sollte.

Warum war das den Evangelisten so wichtig?

Sie müssen wohl gespürt haben, dass dieser Jesu eine ganz besondere Person in der Geschichte war. Sein Wesen, sein Leben müssen außerordentlich gewesen sein. Um Jesus zu verstehen, dem es nie um weltliche Ehre, Macht und Reichtum ging, müssen sie wohl an seinen göttlichen Ursprung geglaubt haben. Und dieser Glaube ist eng mit der Person Jesus verknüpft. Ein Glaube mit Realitätsbezug! Das war sicher auch für die Nachfolger Jesus ungeheuerlich. Also haben sie für die Nachwelt die Geschichte Jesu schriftlich festgehalten, wobei ihnen bei der Erstellung der Biografie über Jesus die Menschen halfen, die Jesus noch persönlich gekannt haben. Es war den Evangelisten wirklich an der Wahrheit gelegen.

Trotzdem bleibt die Geschichte unglaublich

Gott hat Seinen Sohn in die Welt gesandt, ER hat sich damit zu uns runter gebeugt und ist uns auf Augenhöhe begegnet. Und Jesus war sowohl ganz Mensch als auch göttlich. Wenn ich die Evangelien, die Geschichten über Jesus und Sein Wirken lese, dann hätte ich diesen Jesus gerne kennengelernt. Nichts und niemand konnte ihn verbiegen, ihm Angst machen oder ihn verführen. Ihm ging es einzig um die Menschen, die in der Welt Hilfe brauchten: die Armen, die Kranken, die Ausgeschlossenen, die Traurigen, die Looser und ganz wichtig: die Kinder!

Warum ausgerechnet die Kinder?

Kinder sind in der Lage ihren Eltern rückhaltlos zu vertrauen. Wenn sie auf einer Mauer stehen, die viel zu hoch für sie ist, werden sie springen, wenn ein geliebter Mensch ihnen signalisiert, dass er sie auffängt. Wie schwer fällt es mir, einem Menschen oder gar Gott zu vertrauen, wenn mein Weg schwer wird und die Mauer hoch ist, auf der ich stehe?

Außerdem haben Kinder eine natürliche Offenheit und Neugier, Dinge zu betrachten und sich auf Neues einzulassen. Sie schauen mehr auf das Herz der Menschen als auf deren Macht und Erfolge. Dabei sind sie auf Schutz und Versorgung angewiesen, ohne sich dessen bewusst zu sein und nehmen das ganz selbstverständlich in Anspruch. Wie schwer fällt es mir oft, die Hilfe anderer Menschen anzunehmen? Bei einem Geschenk ertappe ich mich immer wieder dabei, dass ich zwar Danke sage, aber mit dem Nachsatz: „Das wäre doch nicht nötig gewesen!“ Damit mache ich das Geschenk kleiner, – weil mein Stolz sonst angekratzt wird?

Ja, wie ein Kind zu werden, fällt unheimlich schwer

Jesus sagte einmal: „Werdet wie die Kinder!“ Damit meinte er: Nehmt die Liebe, die ich euch geben will, an, ohne misstrauisch zu hinterfragen, was euch das abverlangt, was ihr dafür tun müsst. Nehmt es doch einfach an, dass Gott mit euch in Beziehung treten will, dass ER euch heil machen will, an Körper, Geist und Seele. Ihr seid alle verletzt. Legt doch mal eure Masken ab, die euch gefangen nehmen, und haltet Gott eure verletzte Seele, euren geschundenen und kranken Körper hin. Ihr braucht euch vor Gott nicht zu verstecken! ER kennt euch doch sowieso und weiß, was ihr braucht.

Was hat das jetzt mit Advent zu tun?

Wir Menschen haben uns im Laufe der Zeit verirrt. Ursprünglich kommen wir aus dem Garten Eden, als Ebenbild Gottes geschaffen, ausgestattet mit einem freien Willen. Mit diesem freien Willen haben wir uns gegen Gott entschieden. Innerlich spüren wir, dass wir uns von unserer Bestimmung, die Gott eigentlich für uns vorgesehen hat, immer weiter entfernen. Wie finden wir zurück? Was ist meine Bestimmung als Mensch in der heutigen Welt? Wo soll ich hin? Oft hält mich der Alltag mit seinen vielen Aufgaben und Pflichten davon ab, darüber nachzudenken. Der Advent kann die Zeit sein, mich bewusst, diesen Fragen zu stellen.

Advents-Sabbatical

Dieses Jahr steht die Adventszeit unter Corona-Auflagen, d.h. der gesamte Vorweihnachtswahnsinn fällt dieses Jahr aus. Es ist wie ein Sabbatical! Machen wir uns bewusst, dass es vielleicht nur dieses Jahr diese große Chance auf Ruhe und Zeit gibt, so dass wir sie dringend nutzen sollten, uns klar zu werden, wo unsere Bestimmung liegt. Machen wir uns wie die Sterndeuter auf den Weg und suchen wir das göttliche Kind in uns, damit wir wieder in eine Beziehung zu unserem Schöpfer und Vater kommen. Wer sehnt sich nicht nach einem tiefen Frieden, der sich in uns ausbreitet und die Welt mit all ihren Herausforderungen und Schrecken mal ausblendet? Wer freut sich nicht an einem Licht in der Dunkelheit, eine kleine Kerze, die brennt und uns daran erinnert, dass es außerhalb der realen Welt mehr gibt – tief in mir?

Vielleicht kann ich die Adventszeit mal nutzen, darüber nachzudenken, was für ein Gottesbild ich habe. Wer ist Gott für mich? Habe ich eher Angst vor Gott? Oder glaube ich, dass ER es gut mit mir meint? Kann ich mich als „Kind“ Gottes sehen? Voll Vertrauen und gleichzeitig behütet?

Wie kann ich Jesus kennenlernen?

Wenn wir Jesus kennenlernen wollen, können wir einen Blick in die Evangelien werfen. Neben dem, wie Jesus so war und lebte, sagt Jesus auch einiges über Gott, über die Liebe des Vaters zu uns Menschen. Versetzen wir uns mal in die Menschen um Jesus? Wenn ich in dieser Zeit dabei gewesen wäre, wo hätte ich da gestanden? Da klettert Zachäus, ein verachteter Steuereintreiber der Römer, auf einen Baum, weil er diesen Jesus auch mal sehen will. Wer könnte ich in dieser Geschichte sein? Zachäus, der auf den Baum klettert, weil die Menschen ihn nicht für würdig befinden, dass er dabei sein darf? Oder bin ich einer, der sich über Zachäus ärgert? Oder ärgere ich mich über Jesus, der Zachäus anspricht und nicht übersieht? Wie sehe ich diesen Jesus, wenn ich ihn durch sein Leben begleite?

Vielleicht verstehen wir dann die wahre Bedeutung von der Geburt des göttlichen Kindes etwas besser.

Ich wünsche allen, die diesen Blog lesen, eine besinnliche Adventszeit, damit wir alle Weihnachten ein bisschen besser „verstehen“ können.

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