Eine traurige Angelegenheit. Ich sitze mit Mundschutz ziemlich einsam in einer Kirche und verfolge eher passiv den Gottesdienst. Die Orgel spielt drei Strophen des Eingangsliedes, das ich nicht mitsingen kann. Eine hätte es auch getan.

Heiliger Geist, wo bist du?

Der heilige Geist wird in der Bibel als Sturm oder als Feuerzungen beschrieben. Da, wo der Heilige Geist wirkt, wird es lebendig. Menschen freuen sich und jubeln. Jeder kann den anderen verstehen. Aufbruch ist angesagt. Es drängt nach draußen.

Von diesem Wirken spüre ich derzeit nichts. Kein Aufbruch, kein Miteinander.

Abstand – statt Nähe
Gesichtsmaske – statt Offenheit
Beschränkung – statt Freiheit
Angst – statt Lebensfreude
Anmeldung – statt Spontanität
Passivität – statt Aktivität

Ich frage mich, ob und wie die Kirche das überstehen wird.

Die kirchlichen Feiertage wie Ostern, Erstkommunion, Christi-Himmelfahrt, Bittwoche, Pfingsten usw. gehen unbeachtet vorüber, wenn ich mir keinen der wenigen Plätze zum Gottesdienst gesichert habe. Dabei merke ich, wie ich dadurch auch das Zeitgefühl für das Kirchenjahr, das mir sonst als Rahmen dient, verliere. Die Feiertage nehme ich nur aufgrund der arbeitsfreien Tage wahr.

Dabei stelle ich mir die Frage: Brauche ich die Kirche überhaupt noch?

Je länger die Einschränkungen andauern, desto mehr Menschen werden sich wohl dauerhaft von der Kirche verabschieden. Es geht doch auch ohne, oder?

NEIN! Es geht nicht OHNE Kirche!

Pfingsten ist der Startpunkt der Kirche!

Wenn wir jetzt die Kirche abschreiben, dann ist Pfingsten heute ohne Wert. An Pfingsten gingen die Jünger aus ihrem Versteck raus in die Welt und verkündeten die frohe Botschaft: von der Auferstehung Jesu, von dem neuen Bund, den Gott mit uns Menschen geschlossen hat, von der Liebe Gottes zu uns, von unserer Kindschaft zu Gott, dem Vater…..

Vielleicht ist der Rahmen der Kirche überholt, aber die Botschaft gilt nach wie vor und will auch verkündigt werden. Neue Wege der Verkündigung müssen gesucht und gefunden werden. Jetzt ist der Heilige Geist gefordert, unsere Kreativität zum Sprühen zu bringen.

Komm, heiliger Geist

Deine Kirche braucht dich. Wir brauchen dich. Jesus lebt und seine Frohe Botschaft will weiterhin raus in die Welt, zu den Kranken und Sterbenden, zu den Trauernden, zu den Einsamen und Verzweifelten. Wir können nicht zulassen, dass all diese Menschen ohne Trost und Hoffnung bleiben.

Komm, heiliger Geist

Lass uns aufstehen und Neues beginnen.

Reiß uns mit

„Lass wehen, Gott! Regenwolken in vertrocknete Seelen, Zugluft durch verstaubte Gedanken, zarten Hauch allen Verliebten und Sturm durch alles wohl Geordnete.“ (Pfr. Christoph Breit)

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